Harold

„Form und Berechnung von Rümpfen – Was / Warum / Wie“…

… unter diesem Titel verfasste ich vor einigen Jahren eine lose Folge von Beiträgen in einem deutschsprachigen Forum zu Marine-Belangen (dessen Moderator für technische Fragen zu Schiffsrümpfen und deren Eigenschaften ich bin).

Ursprünglich war diese Veröffentlichung dazu gedacht, die Planung von Kriegsschiffen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts schiffbautechnisch nachvollziehbar zu machen

(und ich bin selbst weder Schiffbauer noch Physiker, sondern „nur“ der Sohn eines Physikers / Mathematikers, der jahrelang an Marineberufs-Schulen unterrichtet hat.)–

Zu meinem Erstaunen bekam ich nach einigen Monaten eine Zuschrift aus Thailand,

„…seit Jahren suche ich jemanden mit Kompetenz, der bereit ist, meinen Entwurf einmal kritisch zu betrachten. Ein paar knappe Anweisungen und Hilfestellungen als Wegweiser würden […] sehr helfen.“

Nach einigem Hin-und-her – Mailen war uns beiden (Raimund in Krabi, sowie mir, Harold in Wien) klar, dass wir viele offene Fragen nur direkt, face-to-face, besprechen und vielleicht auch lösen könnten.

Ich hatte mir die Pläne zum Projekt „Douw Talae III“ sehr genau angesehen, das Ganze gefiel mir recht gut …

… kurzum, ich saß bald mal im Flieger, um die Situation vor Ort kennenzulernen und auch eventuell etwas zum Schiffbaulichen beitragen zu können.

Raimund und ich waren uns von Anfang an sympathisch (das heißt jetzt nicht, dass wir immer einer Meinung sind, aber wir finden sehr oft gute gemeinsame Lösungen), und aus meinem noch sehr unklaren „Hineinschlittern“ in das Projekt wurde bald eine intensive Zusammenarbeit.

Die technischen Belange möchte ich gesondert kommentieren (link!); hier ist mir wichtig, von unserer gemeinsamen Aufgabe zu sprechen.

Angekommen in Phuket und mit einem Tag „Jetlag-Puffer“ ging ich an Bord der „Douw Talae II“, Raimund hat mich dort sehr zuvorkommend empfangen; und in den wenigen Tagen der letzten Kreuzfahrt der Saison bekam ich nicht nur viel mit, was „das Schiff ausmacht“, sondern las mich auch in viele noch nicht bekannte Planungs-Details ein.

Der „Schock“ in Krabi war dann, „ich wohne/arbeite im gemeinsamen Büro“ (das heißt, ich habe dort so gut wie keinerlei Privatsphäre über Wochen hinweg) –

- das Positive daran: sobald wir unsere Kompetenzen geklärt hatten, war auch die dichte Arbeitsatmosphäre klar.

Ich will jetzt hier nicht auf die vielen Tage dieser ersten Phase eingehen (wir änderten Pläne, verschoben Gewichte, brachten den Entwurf „auf Trimm“) –

zwei Fotos – vom Anfang, und vom vorläufigen Ende im Mai 2009 – können das ganz gut illustrieren:

die Konstrukteure

… zu Anfang ein sehr skeptischer Raimund (und ich frohgemut dabei, seinen Entwurf zu verändern oder fast zu schreddern) …

die Konstrukteure

… und am End’ dann ein froher Raimund (und ich komplett geschafft!) … so sieht Teamwork bei 35°+ aus.

Zurück in Wien hatte ich dann die Zeit, alle erfassten Daten zu den nötigen Berechnungen auszuwerten.

Ein mahnender Hintergrund (der auch in Thailand sehr kontrovers diskutiert wurde) war dabei der Untergang der „Choke Samboon“ am 8.3. 2009 mit sieben Todesopfern  – eine Katastrophe durch eine plötzliche Böe bei sehr leichtem Zustand, die sicher nicht passiert wäre, hätte man die Stabilität des Schiffes nach klaren Vorgaben berechnet!

Insoferne war meine vordringliche Aufgabe zu zeigen, dass für unseren Entwurf alle entsprechenden Parameter innerhalb sehr großer Sicherheits-Margen liegen.

Ein weiteres Mal war ich dann noch 2009/2010 vor Ort: es galt, die diversen Möglichkeiten für den Bau der „Douw Talae III“ zu besprechen.

Manche unserer beliebtesten Ideen wurden zur bloßen Makulatur, aber sehr Vieles ist in die endgültige Planung eingeflossen.

Die Crux unserer Diskussionen blieb die Form des Stapellaufs – seitlich ablaufen lassen, oder aufschwimmen.

Das hat sich inzwischen zum Letzteren entschieden.

Mein persönlicher Beitrag zu diesem Projekt:

-        1) alle Berechnungen zur Hydrostatik und zur Spant-Geometrie  (das Schiff schwimmt auf in ruhigem Wasser)

-        2) alle Berechnungen zur Hydrodynamik (Schiff in Bewegung, Wellen und Wind von allen möglichen Seiten)

-        3) Unterlagen für die Statik (hydrodynamischer Durchgang von Wellen längsschiffs)

-        4) „worst case scenario“, also das Zusammentreffen verschiedenster Faktoren

-        5) Optimierungen bei der Planung in verschiedensten Details.

Raimund hat die Gesamt-Idee und auch fast alles an der Architektur des Projektes beigebracht;

meine Änderungen an seinen Plänen betrafen nur wenige Details.

Für eine kleine Übersicht zum

Was – Warum – Wie (Berechnung der Douw Talae III)

laden wir Dich gerne auf diese folgenden Seiten ein:   …..(link)